Weihnachten bei Ivanovs

 
 
Wenn die Ivanovs auftreten, verabschieden sich Moral und Anstand für zwei Stunden aus dem Leben der Zuschauer. Mit WEIHNACHTEN BEI IVANOVS hebt die Cosmos Factory das Weihnachtsfest aus den Angeln. Auf einer Tournee zog die Compagnie im Winter 2004 ganz im Stil des Volkstheaters über die Dorfsäle zwischen Ems, Weser und Elbe. Da blieb keine Nadel am Baum.


Aus den finsteren Untiefen des russischen 19. Jahrhunderts kommen die Ivanovs im Hier und Jetzt an, wollen mit uns ein ganz normales Weihnachtsfest feiern … doch dieses Theaterstück ist eine gar schwarze Komödie und so leben die Ivanovs weitab jeglicher Vernunft. Sie leiden, sie sterben, böse Ammen nehmen das Heft in die Hand und ein philosophisch veranlagter Haushund sucht zu Recht das Große und Ganze. Mit dem Stück WEIHNACHTEN BEI IVANOVS hat der russische Dichter Aleksandr Vvedenskij ein obskures Bühnenwerk geschaffen: lüstern, obszön, lüstern, tiefsinnig und ergreifend.


Vvedenskij lebte von 1904 bis 1941, er war Lyriker, Dramatiker und Mitglied verschiedener Avantegarde- gruppen im Leningrad der 20er Jahre. WEIHNACHTEN BEI IVANOVS ist einer der letzten Texte Vvedenskijs. Die Angaben zur Entstehungszeit sind widersprüchlich (1938 oder 1941), die Uraufführung fand 1992 am Thalia Theater in Hamburg statt.


Ute Falkenstein und Oliver Peuker bedienen sich in ihrer Inszenierung der Tradition und Spielweise des Jahrmarkt- und Volkstheaters, das Publikum wird mit einer Welt jenseits jeglicher Vernunft und realistischen Logik konfrontiert.

Schockieren und amüsieren – zwischen diesen Polen bewegt sich des Menschen Lust an der Sensation, die oft etwas Beruhigendes hat: anhand des vermeintlich Abseitigen kann sich jeder seiner eigenen ,Normalität’ sicher sein.


Der Mensch sucht immer wieder nach dem Unglaublichen und Monströsen; die Schaulust ist ihm untrennbar verbunden. Riefen früher Panoptikum und Wachsfiguren- kabinette wohliges Schaudern hervor, so sind es heute die Leichenschauen des Gunter von Hagens. Was dem 19. und frühen 20. Jahrhundert die Schaubuden und Jahrmarkt- theater waren, das sind uns heute (Privat-)Fernsehen und Regenbogenpresse.


Mit WEIHNACHTEN BEI IVANOVS konfrontierte die Cosmos Factory ihr Publikum mit den unglaublichsten Ereignissen – und wählte dazu ganz bewusst traditionelle Säle von Gaststätten als Spielort.


Pressestimmen



„TOTGELACHT UNTERM TANNENBAUM (...) Groteske Überzeichnung und dunkle Schwermut: ohne Anstrengung bewegt sich die gelungene Inszenierung des um 1940 entstandenen Stücks neun eindrucksvolle Bilder lang zwischen diesen Polen. Witzige Einfälle und Details, Poesie und Wortspiele, Anspielungen und Einsichten. „Langweilig ist das Leben“, resümiert Petja, „ihr könnt mir sagen, was ihr wollt.“. Im Saal dagegen durchgängig Spannung. Hans Christian Klüver und Ralf Benesch sangen sich als Holzfäller Ozlov und Kozlov in die Herzen der Zuschauer und pointierten mit Musik und geräuschen treffend die Vorgänge in Klapsmühle, Gericht, Polizeiwache und Herrschaftshaus. Geradezu mitreißen die in allen Rollen überzeugenden Schauspieler: Oliver Peuker glänzte als betrunkener Polizist, Dieter Kölsch zeigte als Amme große Mimik, Judith Mann und Inés Burdow beeindruckten besonders in der Irrenhausszene durch ihre Intensität.

Das abschließende Sterben rund um den Tannenbaum wurde mit viel Applaus bedacht, noch einmal die Eingangsmusik, im Hintergrund gröhlen die Ivanovs - Weihnachten kann kommen. Draußen Dunkelheit, Schnee und schneidender Wind. Leider keine Wölfe.“

Nordsee-Zeitung, 22. November 2004


Bericht Nordsee-Zeitung 22.11.2004 zum Download

Bericht Nordsee-Zeitung 16.11.2004 zum Download



„ABSURDE WEIHNACHTSSZENERIE - Heulende Wölfe, gackernde Hühner und mittendrin sechs russische Ivanovs mit schweren Pelzen, zotteligen Bärten und tiefschwarzem Humor im Holzsarg ... während die Eltern im Theater weilen, treiben die daheim gebliebenen Gören ihre überforderte Amme (genial dargestellt von Dieter Kölsch) in den Wahnsinn und reizen sie buchstäblich bis aufs Blut. Plötzlich rennt die Amme mit dem Beil auf die Bühne. Ein Schlag, ein Schrei, dann liegt eines der Kinder einen Kopf kürzer im Sarg. Die Polizei stürmt mit Wodka-Buddeln bewaffnet  (herrlich: Oliver Peuker) ins Haus und nimmt die Totschlägerin mit. (...) Und während sich die Amme nach dem Todesurteil auf dem Schlagzeug die Seele aus dem Leib schlägt, vollziehen die Richter um sie herum den Totentanz. Zu guter Letzt landet der Zuschauer wieder im Hause der Ivanovs Puzyrovs, die reihum unterm Tannenbaum sterben. Ende. Applaus. Die Zuschauer verlassen begeistert die Welt des Wahnsinns.“

Kreiszeitung Wesermarsch, 02. Dezember 2004



„ACHTERBAHN DER GEFÜHLE - Sie sind laut, anzüglich und mörderisch - die Ivanovs. Um mit ihnen den Weihnachts- abend zu verbringen, bedarf es starker Nerven, denn schlimmer kann es nicht werden. Die Cosmos Factory zieht mit WEIHNACHTEN BEI IVANOVS von Aleksandr Vvedenskij über die Dörfer und setzt auf kohlraben- schwarzen Humor mit Live-Musik. Das Premierenpublikum im Lindenhof in Donnern war begeistert. Gekonnt, spannend inszenierte, deftige russische Kost - hautnah erlebt. Ein toller Einfall der Regisseure Ute Falkenstein und Oliver Peuker, ihre neueste Produktion vorwiegend auf Dorfsälen zwischen Weser, Ems und Elbe zu spielen. (...) In turbulenten Szenen erleben die Zuschauer mit den Ivanovs die letzten 24 Vorweihnachtsstunden, bevor endlich der Tannenbaum steht. Es wird geliebt, gestorben, gesoffen und gerichtet.

Ein großes Lob an die Schauspieler. In 80 Minuten schlüpfen sie in insgesamt 36 Rollen und spielen „echt russisch“, gekonnt überzogen, mit abgrundtiefem schwarzem Humor. Eine Achterbahn der Gefühle, während sich rechts und links menschliche Abgründe auftun.“

Sonntagsjournal, 28. November 2004



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Eine Produktion der Cosmos Factory


Mit freundlicher Unterstützung von

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von Aleksandr vvendeskij